Die RAK

Die RotzfrecheAsphaltKultur (RAK) ist ein Zusammenschluss von linken (Straßen)musiker_innen, Theaterleuten und anderen Kleinkünstler_innen. Seit nunmehr 30 Jahren machen diese Leute einzeln und in Gruppen unterschiedlicher Besetzungen und Generationen die Bühnen unsicher.

Diese Bühnen finden sich da, wo wir sie schaffen. Egal ob auf der Straße, in Parks, in linken Projekten, im besetzten Haus oder Wagenburgen. Was uns verbindet ist Straßenkunst, Kleinkunst, die Sehnsucht nach Veränderung und der Kampf für eine bessere Welt.

Eine ausführliche Selbstdarstellung findet ihr hier.

Die RAK ist ein Netzwerk. Der Versuch einer Selbstorganisierung. Neben vielen gemeinsamen Aktionen treffen sich  alle  RAKis einmal im Jahr zu einem großen gemeinsamen Galaabend.

Hier findet ihr unser gemeinsames Selbstverständnis:

Die RAK gibt es jetzt seit 30 Jahren, in denen sich einiges bewegt und verändert hat… Jetzt, im Frühjahr 2011, sehen wir beim RAK-Treffen in Köln viele neue Gesichter.Die Szene wandelt sich offenbar – wir greifen weiterhin bestehendes auf und schreiben immer wieder manches um. Wir werden auch jetzt nicht abschließend die Frage klären, was man auf die Kiste schreibt, in die man diese Meute musizierender Menschen zusammen stecke könnte – eine Bezeichnung finden, mit der sich alle wohlfühlen…?Und das auch noch in wenigen Worten??? Wahrscheinlich unmöglich. Dieser Text ist viel mehr der Versuch, den Minimalkonsens zu formulieren und die Momentaufnahme festzuhalten. DIE GEMEINSAMKEITEN, die die Menschen in der RAK vereint, ist dass das, was wir musikalisch nach aussen tragen, unter den Übertitel > das politische Lied < passt. Wir schreiben und singen Lieder, mit denen nicht nur unterhalten werden soll – es sollen Inhalte/ Ideen/ Utopien vermittelt und die Zuhörenden oft zum Nachdenken anregt werden. Meistens passiert das unverstärkt und mit einem sehr direkten Bezug zum Publikum. Diese „Nische“ im weiten Feld des (Gegen)Kulturschaffens ist uns wichtig, um direkt zu wirken bzw. wirken zu können. Wir machen keine reine Bespaßungsmusik, die man nebenbei in sich hinein plätschern lassen kann. Wir versuchen, unsere Musik spontan und vielseitig einsetzbar zu halten, in dem wir meistens nicht viel brauchen, um loszulegen. Auf der Straße (und anderswo) wird der Koffer aufgeklappt, kurz gestimmt und los geht’s. Auch im hektischen Trubel müssen sich dann die Menschen, die uns verstehen wollen, einlassen und zuhören. Wir sehen die Bühne – sei sie nun auf der Straße oder ganz woanders – auch immer als Raum unsere Ideen, Kritiken und Träume in die Welt zu tragen und den grauen Alltag ordentlich auf den Kopf zu stellen. Musik allein hat zwar noch keine Gesellschafts”ordnung” umgeworfen,aber wir sehen unsere vielfältige Kultur als ein Stück gelebte Utopie – unmittelbar und direkt. Augenzwinkernd und wütend. Öffentlich und manchmal meistens sehr persönlich. Wir zeigen mit unserem Auftreten und unseren Auftritten eine gewisse Art von linkem Lifestyle, von unsere linken Sozialisation. Dazu gehört neben den Inhalten eine Offenheit für die Menschen um uns herum, Lust am unterwegs sein, Spontanität und Freude am Utopien ausprobieren und leben (zumindest in einem abgesteckten Rahmen). Und meistens suchen wir im kleinen und großen den täglichen Aufstand.

Unser POLITISCHER MINIMALKONSENS, den wir dabei leben und transportieren heißt: Homo- und Transphobie finden wir Scheiße, genauso wie Sexismen, Lookism, Normativität im Ganzen, Hierarchien und Herrschaft, den Staat und das Schweinesystem. Wir würden gerne den Kapitalismus loswerden und versuchen, ihn nicht mit platten Floskeln wegzureden. Gut finden wir Konsumkritik und reflektierten Konsum. Generell ist die Reflektion des eigenen Denken und Handeln ein großer Bestandteil unseres geistigen Vorankommens auf vielen Ebenen.Wir sind -entgegen des Klischees- nicht immer nur gegen etwas, sondern finden auch vieles gut: Freiheit, einen respektvoller Umgang miteinander, Antirassismus und die Antifa.Diskussionen und Offenheit um über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Konsens statt Mehrheit um nicht wie sonst meist in der Gesellschaft nur die zu hören, die am lautesten schreien. Selbstorganisation und DIY zeichnet unsere (Gegen)Kultur und unsere Vernetzung mit- bzw. untereinander aus. Wir wollen in der RAK Kollektivität und Solidarität leben.

Damit das alles nicht nur in unserem kleinen Kreis bleibt, wollen wir eine AUßENWIRKUNG haben, die Gegenöffentlichkeit schafft. Bei Auftritten von Bands und Personen aus der RAK wollen wir deutlich machen, dass wir 1. nicht alleine sind und 2. auf Geschehnisse, mit denen wir nicht einverstanden sind, hinweisen (mal freundlich, mal bestimmt…) Wir sind viele – und nur weil wir gerade auf einer Bühne stehen, heißt das nicht, dass wir die einzigen sind, die das Maul aufmachen und Feuer spucken…

Eine Frage, die in der Diskussion um das Selbstverständnis der RAK 2011 immer wieder auftaucht, ist die nach dem Asphalt in der RotzfrechenAsphaltKultur – wieviel unseres agierens findet tatsächlich noch auf dem Asphalt, also auf der Straße statt?

Welchen Stellenwert hat STRAßENMUSIK in der RAK im Moment und warum? Die Einkaufszonen, die klassische Bühne der RAK, haben sich in den letzten Jahren verändert. Überfüllte Innenstädte und allgemeine Reizüberflutung lassen die Frage aufkommen, ob dies noch die passende Umgebung zum Musik machen ist – oder ob es gerade deshalb die richtige Umgebung ist. Wo, wenn nicht dort in den Fußgängerzonen, finden wir ein Publikum, dass nicht eh schon mit uns einer Meinung ist?

Auch wenn es schwieriger wird, die Passant_innen zu erreichen, können dort trotzdem immer noch Inhalte weitergetragen werden. Allerdings wird dabei viel Energie „verschwendet“, weil die Menschen in Einkaufsstraßen oft nicht aufnahmefähig sind. Es gibt eine Tendenz, lieber an entspannteren öffentlichen Orten Musik zu machen und dort das Zufallspublikum zu erreichen – zB. in Parks. Hier werden also neue Strategien gefunden, um ausserhalb der Fußgängerzone politische Inhalte an Leute zu geben, die nicht ähnliche Denkansätze wie wir haben.

Trotz Frust und allen Bedenken ist die Straßenmusik aus der RAK nicht wegzudenken. In diesem direkten und unmittelbaren Kontakt mit Passant_innen, können wir immer noch auf unsere Art Widerspruch und Protest ausdrücken, provozieren, zum grinsen bringen, Mut machen. Allein die vorgelebte Möglichkeit, einfach auf die Straße zu gehen und Musik zu machen, ist hier schon Teil unserer „Botschaft“, die so auch zwischen den Zeilen wahrgenommen werden kann. Hier gehören auch andere Straßenkünste in die RAK, die zB. ohne Worte das alltägliche, „normale“ Leben in Frage stellen und sich nicht an die vorgegebenen Regeln halten (an das Straßenmusikverbot zum Beispiel…). Genauso wie das politische Lied haben sie eine Außenwirkung, die eine andere Lebensart zeigt – ein bunt sein und vielleicht etwas, das oft als romantisches, wildes Leben verklärt wird.

Doch neben dem sichtbar werden bzw. sein hat die Straßenmusik auch oft den Hintergrund, dass sie als Geldquelle genutzt werden kann. Hier können zB. Spendengelder für linke Gruppen und Projekte gesammelt werden – Geld, dass die Menschen in der Fußgängerzone in den meisten Fällen wohl nicht an das AZ spenden würden, wird so mit einem charmanten Lächeln umverteilt.

Aber auch als Lebensunterhalt ist Straßenmusikgeld immer wieder für einige von uns wichtig und zum Teile harte Realität.

Und wie geht es mit all dem weiter ?

Die RAK ist im Frühjahr 2011 ein Zusammenschluss von Menschen aus verschiedensten Ecken und Altern. In Köln waren wir grob geschätzt 25 Bands und Projekte und ca. 50 Menschen. Wir wollen uns weiter treffen, austauschen, zuhören, voneinander lernen … Wir spielen weiterhin viel zu politischen Anläßen, Solikonzerten und in linken Projekten. An den Ideen von damals hat sich bis heute vielleicht nicht viel geändert – vielleicht auch jede Menge. Schließlich lebt und verändert sich die RAK mit denen, die sie machen.

Mittlerweile können wir auf 30 Jahre Geschichte zurückblicken. Die wenigsten von uns haben sie komplett miterlebt. Aber die meisten von uns werden weiter an ihr herum schreiben. Denn: The Future is unwritten and the Show must go on!

Rotzfreche Asphaltkultur zusammengeschrieben aus Notizen zur Selbstdefinitionsdebatte Sommer 2011